Ein Gefängnishof, hohe Mauern - und plötzlich dröhnen Gitarrenriffs durch die Anstalt. Was zunächst ungewöhnlich klingt, wurde für rund 50 inhaftierte Männer zu einem besonderen kulturellen Erlebnis: Die Coverrockband 2MT aus Arnsberg brachte mit ehrlicher Rockmusik ein Stück Freiheit hinter Gitter.
Die sechs jungen Musiker betraten die Sporthalle mit sichtbarer Aufregung – und großer Vorfreude. Für sie war es kein gewöhnlicher Gig bei einer Party oder einer Geburtstagsfeier: „So einen Auftritt vergisst man nicht“, hatte einer der Bandmitglieder im Vorfeld gesagt. Und tatsächlich: Die Atmosphäre war von Anfang an besonders.
Zu Beginn bei „All the small Things“ von Blink – 182 blieb die Reaktion des Publikums noch verhalten. Die Männer saßen aufmerksam auf der Tribüne, manche mit verschränkten Armen. Doch schon nach einigen weiteren Songs von Nirvana, Liquido oder Lenny Kravitz war ein leises Mitwippen mit den Füßen zu erkennen. Ein Takt hier, ein zustimmendes Nicken dort. Die Musik begann, die Distanz zu überbrücken.
Mit jedem weiteren Stück löste sich die Zurückhaltung. Die kraftvollen Gitarrenklänge, das treibende Schlagzeug und der markante Gesang füllten den Raum – und erreichten ihr Publikum spürbar. Aus vorsichtigem Fußwippen wurde rhythmisches Klatschen, aus reservierten Blicken echtes Lächeln. Die Stimmung kippte – im besten Sinne.
Spätestens bei den Ärzten und ihrem „Schrei nach Liebe“ hielt es einige nicht mehr still auf ihren Plätzen. Die rund 50 Konzertteilnehmer spendeten schließlich kräftigen Applaus, der innerhalb der JVA widerhallte. Für einen Moment schien der Gefängnisalltag weit weg.
Als die Band nach ihrem letzten Song die Instrumente senken wollte, hallte es aus den Reihen: „Zugabe!“ Und die Musiker ließen sich nicht lange bitten. Mit einem letzten energiegeladenen Stück setzten sie einen emotionalen Schlusspunkt unter ein Konzert, das allen Beteiligten in Erinnerung bleiben dürfte.
Doch damit war der späte Nachmittag noch nicht vorbei.
Im Anschluss konnten auch etwa 40 Frauen aus dem geschlossenen Frauenvollzug an dem Konzerterlebnis teilnehmen. Und hier zeigte sich noch einmal eine ganz eigene Dynamik: Kaum erklangen die ersten Akkorde, hielt es einige nicht lange auf ihren Plätzen. Es wurde getanzt, mitgesungen und geklatscht. Die Stimmung war ausgelassen, fröhlich und fast schon partymäßig – ein deutlicher Kontrast zum oft streng geregelten Alltag hinter den Mauern.
Stets angetrieben von der Energie des Publikums, spielte die Band mit sichtbarer Begeisterung „Ein Kompliment“ der Sportfreunde Stiller oder auch „This Love“ von Maroon 5.
Zwischen Gitarrenriffs und Schlagzeugbeats entstand eine Atmosphäre, die für einen Moment alle Unterschiede vergessen ließ. Musik als verbindendes Element – unmittelbar, ehrlich und kraftvoll.
Für die sechs Musiker von 2MT war dieser Auftritt etwas ganz Besonderes. Nicht nur wegen des ungewöhnlichen Ortes, sondern vor allem wegen der spürbaren Wirkung ihrer Musik. „Man merkt, wenn etwas ankommt“, sagte einer von ihnen nach dem Konzert. Und an diesem Nachmittag kam es an – bei Männern wie bei Frauen gleichermaßen.
Ein Nachmittag, der zeigte: Kultur im Gefängnis ist mehr als Unterhaltung. Sie schafft Begegnung, weckt Emotionen und schenkt – zumindest für ein paar Stunden – ein Gefühl von Normalität und Lebensfreude.
Quelle (Text&Bilder): Marisa Schräder, JVA Gelsenkirchen







