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Rot-weiß gestreifte Popcorntüten, Getränke unter den Stühlen, dann geht das Licht aus: Am Montagabend wurde das Kulturzentrum der JVA Wuppertal-Ronsdorf zum Kino. Junge Inhaftierte saßen neben Bediensteten, Ehrenamtlichen und Gästen aus dem Ministerium der Justiz. Anlass war der Start der landesweiten Knastkulturwoche unter dem Motto „sinnVOLL ZUGehört".

Nach der Begrüßung durch Anstaltsleiterin Susan Schneider lief „La Distance". Der Film, entstanden mit dem Medienprojekt Wuppertal, erzählt von einem Mann, der nach seiner Haft auf Jugend, Freundschaften und Schuld zurückblickt, und von der Frage, ob es eine zweite Chance gibt. Für dieses Publikum kein abstraktes Thema. Regisseur Yvan Klünder, der selbst im benachbarten Velbert aufgewachsen ist, studiert an der Internationalen Filmschule Köln und kam ohne Honorar nach Ronsdorf.

In der Pause klebten die jungen Männer Punkte auf Plakate: Welche Haltung der beiden Hauptfiguren können sie besser nachvollziehen? Daraus entstand eine lebhafte Gesprächsrunde, moderiert von den beiden Ehrenamtlichen Frau Fürst (24) und Frau Engler (28). Inmitten der Diskussion meldete sich ein junger Mann und sagte offen, er habe in seinem Leben den falschen Weg eingeschlagen und sitze deshalb hier. Er gratulierte Klünder dazu, seinerseits den richtigen gewählt zu haben. Die Antwort des Regisseurs: „Es ist nie zu spät." Und weiter: „Ich war nicht stärker, nicht privilegierter und nicht klüger als andere – aber ich war konstant. Ich habe es immer gemacht und war immer diszipliniert. Deswegen: Hör nie auf!"

Die Pause war zugleich Vernissage. Inhaftierte der Sozialtherapeutischen Abteilung zeigten Pop-Art-Bilder, die sie unter Anleitung von Frau Rieke über lange Zeit und mit viel Durchhaltevermögen gestaltet hatten, darunter eine Friedenstaube mit dem Wort „Frieden" in vielen Sprachen.

Anlässlich der Aktionsreihe „Ehrenamt im Justizvollzug“ waren auch das Ministerium der Justiz und der Fachbereich Sozialdienst vertreten, um das ehrenamtliche Engagement in der JVA Wuppertal-Ronsdorf zu würdigen. Regierungsdirektorin Schulz, stellvertretende Leiterin des Referats für Jugend- und Frauenvollzug und Übergangsmanagement, dankte Frau Engler und Frau Fürst herzlich für ihre Beteiligung an der Knastkulturwoche und auch ihr darüber hinaus reichendes Engagement in Kreativgruppe, Einzelbetreuung und Spiele- und Kontaktgruppe. Die beiden jungen Frauen schenken, wie auch die rund 1.270 weiteren Ehrenamtlichen in den Vollzugseinrichtungen des Landes, den inhaftierten Menschen ihre Zeit, ihr Engagement und ihre Aufmerksamkeit. Und sie hören zu; passender könnte das Motto des Knastkulturwoche kaum sein.

Zum Abschluss führte ein Rundgang die Gäste durch eine Vollzugsabteilung zu einem Haftraum, den Inhaftierte gemeinsam mit Frau Josten, Frau Jung und Frau Eimler gestaltet haben: unter Schwarzlicht, in leuchtenden Farben, mit „VOLLZUGEHÖRT." am Fenster und dem Satz „Zuhören ist der erste Schritt zur Veränderung" an der Wand.

Möglich gemacht hat diesen Abend vor allem Frau Linneweber vom Erziehungswissenschaftlichen Dienst. Es war ihr Projekt, von der Idee bis zur Durchführung. Als Ansprechperson für die ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuer wurden ihr, ebenso wie den beiden Ehrenamtlichen, seitens des Ministeriums ein Dankeschön für ihr Engagement überreicht. Ein großer Dank geht außerdem an Frau Rieke und an alle Bediensteten, Helferinnen und Helfer, die mit angepackt haben.

„Hör nie auf!“ hatte Yvan Klünder den jungen Männern mitgegeben. Für die Menschen, die diesen Abend möglich gemacht haben, gilt das offenbar schon lange.

Quelle (Text&Bilder): Alexander Kusch, Justizvollzugsanstalt Wuppertal-Ronsdorf